Schattenspiele
Autor: Fluchtachterl
Gleich einem unheimlichen Schatten scheint sie einen zu folgen, die Krise, doch Schatten nimmt man nur in einigen, kurzen Augenblicken wahr, wenn der Lichtfall sie gerade in unser Blickfeld wirft. In diesen Augenblicken schaudert uns, doch wenden wir den Blick ab, lassen ihn in eine andere Richtung schweifen, womöglich zu einem Potemkinschen Dorf, das man zur Beruhigung aufgebaut hat.
Die Krise hat – noch – keine wirkliche Gestalt, ist nicht greifbar, dennoch wirft sie ihre Schatten, wenn jemand im Bekanntenkreis von der Kurzarbeit in die Arbeitslosigkeit abrutscht oder ein Kunde bankrott geht mangels Aufträge. Wir wenden unseren Blick ab und betrachten lieber die Kulissen liebreizender Dörfer in Eile aufgestellt von jenen, die die Schatten durch einen unachtsam ausgestoßenen Geisterruf herbeigeholt haben.
Einer schlechten Nachricht folgen zwei Frohbotschaften. Kracht ein Geldinstitut, weist das nächste überraschend hohe Gewinne aus und ein Unternehmen hat plötzlich höhere Umsatzzuwächse als erwartet. Wir wissen nicht wo wir hinschauen sollen. Glauben oder nicht glauben?
Am besten gar nichts mehr darüber lesen oder anhören. Die Schatten werden nicht verschwinden, gleichgültig, was wir tun. Ob sie Gestalt annehmen werden oder einfach nur Schatten bleiben, wir werden es hinnehmen müssen. Wir wissen ja nicht welcher Spruch sie zu vertreiben imstande ist.
Wir werden uns an sie gewöhnen an die Schatten, an die unheimlichen Gestalten, in die sich verwandeln könnten, auch an ein großes, übermächtiges Schreckenswesen zu dem sich die Gestalten zusammenfügen könnten. Nur eines sei gesagt: hätten die Zauberlehrlinge doch bloß ihren Mund gehalten…



